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Abwasserenergie: Schlüssel zur Wärmewende – Tulln als Vorreiter für fossile Unabhängigkeit

Rund die Hälfte des Endenergieverbrauchs in Österreich entfällt auf den Wärmesektor – und noch immer dominieren hier fossile Energieträger. Für eine erfolgreiche Energiewende ist deshalb vor allem eine erneuerbare Wärmewende entscheidend. Eine besonders innovative Lösung bietet die Nutzung von Abwasserenergie:  Sie ermöglicht eine klimafreundliche, zuverlässige und regionale Wärme- und Kälteversorgung. Mit der erfolgreichen Inbetriebnahme einer Abwasserenergieanlage zur Beheizung des Rathauses beweist die Gartenstadt Tulln, wie eine klimafreundliche, zuverlässige und regionale Wärmeversorgung bereits heute Realität sein kann. Im Rahmen einer offiziellen Besichtigung überzeugten sich Landeshauptmann Stv. und Energielandesrat Stephan Pernkopf und Bürgermeister Peter Eisenschenk gemeinsam mit Rabmer Gruppe Chefin Ulrike Rabmer-Koller von der Leistungsfähigkeit dieser Technologie.

© Klaus Ranger. V. l. n. r.: Tullns Bürgermeister Peter Eisenschenk, Johannes Sanda (Abteilungsleiter Umwelt, Energie und Wasserwirtschaft), Ulrike Rabmer-Koller (Geschäftsführerin Rabmer Gruppe), Landeshauptfrau-Stellvertreter und Energielandesrat Stephan Pernkopf

Energiewende aus der Kanalisation – sauber und effizient

Die Gewinnung von Abwasserenergie reduziert die Abhängigkeit von fossilen Energien erheblich. Über 70 % des Energieverbrauchs in Gebäuden entfällt auf Heizung, Warmwasser und zunehmend Kühlung – Bereiche, die bisher vor allem CO₂-intensiv sind. Abwasser, eine erneuerbare Ressource, steht ganzjährig direkt vor Ort zur Verfügung und stammt aus Duschen, Geschirrspülern, Waschmaschinen sowie Gewerbe- und Industriebetrieben. Die konstant hohen Temperaturen im Kanalnetz – durchschnittlich 16 °C, im Winter selten unter 11 °C und nahe Gewerbebetrieben bis zu 30 °C – machen diese Energiequelle besonders attraktiv.

Die Technologie ist vielseitig einsetzbar – von Wohnbauten über Veranstaltungsstätten, Schwimmbäder und Thermen sowie Gewerbe- und Industriebetrieben bis hin zu Nah- und Fernwärmenetzen. Sie deckt sowohl Wärme- als auch den wachsenden Kältebedarf zuverlässig ab. Seit 2018 ist Abwasser auf europäischer Ebene auch als erneuerbare Energiequelle eingestuft. Studien der BOKU Wien belegen: Mit dieser Technologie könnten bis zu 14 % der österreichischen Haushalte nachhaltig beheizt bzw. gekühlt werden.

 

Energie aus Abwasser: Effizient, erneuerbar und verfügbar

Die Technologie zur Nutzung von Energie aus Abwasser basiert auf einem einfachen Prinzip: Das im Kanalnetz ganzjährig relativ hohen Temperaturen verfügbare Abwasser wird mittels innovativer Wärmetauscher thermisch erschlossen. Diese können je nach Projektanforderung direkt im Gebäude, im öffentlichen Kanal oder bei größeren Anlagen als Bypass außerhalb des Kanals sowie im Kläranlagenabfluss installiert werden. Die entnommene Energie wird über einen geschlossenen Wasserkreislauf zu einer Wärmepumpe geleitet, die die Temperatur auf ein für Heizzwecke geeignetes Niveau anhebt. Die so gewonnene Wärme kann Gebäude beheizen, Warmwasser erzeugen oder – in umgekehrtem Prozess – im Sommer auch zur Kühlung eingesetzt werden. Auch die Einspeisung in Fern- und Nahwärme- sowie Kältenetze ist möglich. Durch die konstante Verfügbarkeit und Nähe zum Verbraucher stellt Abwasser eine verlässliche, regional verfügbare, CO₂-neutrale und wirtschaftliche Energiequelle dar.

 

Tulln – Leuchtturmprojekt für klimafreundliche Wärmeversorgung
Schon 2019 verabschiedete der Stadtrat Tulln ein einstimmiges Klima-Manifest mit dem Ziel, bis 2025 die Stadtverwaltung CO₂-neutral und bis 2040 die gesamte Gartenstadt klimaneutral zu machen. Ein zentraler Meilenstein ist das Projekt „Abwasserenergie für das Rathaus“: Nach einer Machbarkeitsstudie 2023 wurde die Anlage im Sommer 2024 installiert und liefert seit der ersten Heizperiode überzeugende Ergebnisse. Die Anlage entzieht dem Abwasser über einen rund 88 Meter langen ThermLiner-Wärmetauscher in der Kanalsohle die Wärme. Diese wird mit Wärmepumpen zur Heizung des Rathauses genutzt – vollständig mit Ökostrom der TullnEnergie betrieben und mit einer Heizleistung von bis zu 110 kW sowie einer prognostizierten jährlichen CO₂-Einsparung von rund 80 Tonnen.

 

Bürgermeister Peter Eisenschenk unterstreicht: „Die Abwasserenergie-Anlage funktioniert hervorragend und erfüllt unsere Erwartungen in vollem Umfang. Damit setzen wir einen wichtigen Schritt zur Umsetzung unseres Klima-Manifests. Unser Ziel bleibt klar: Bis 2025 CO₂-Neutralität in der Stadtverwaltung und bis 2040 für die gesamte Stadtgemeinde.

 

Landeshauptfrau Stv. und Energielandesrat Stephan Pernkopf ergänzt: „Tulln zeigt eindrucksvoll, wie moderne Energielösungen erfolgreich in der Praxis umgesetzt werden können. Auf dem Weg in eine klimafreundliche Zukunft, gilt es das gesamte Spektrum an Möglichkeiten und Technologien zu nutzen – dazu gehört vor allem auch die ressourcenschonende Energiegewinnung aus Abwasser. Diese erneuerbare Energiequelle ist ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich attraktiv und regional verfügbar und wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Klimaziele in Niederösterreich spielen.“

 

Partnerschaft und Innovationskraft
Die Rabmer Gruppe, ein oberösterreichisches Familienunternehmen, beschäftigt sich schon seit mehr als 10 Jahren mit dem Thema Energie aus Abwasser und bietet von der ersten Potenzialabschätzung, über Machbarkeitsstudien bis zur Umsetzung der Projekte alles aus einer Hand. Rabmer war auch maßgeblich verantwortlich für die Umsetzung der Abwasserenergieanlage in Tulln. Ulrike Rabmer-Koller, geschäftsführende Gesellschafterin der Rabmer Gruppe, zeigt sich begeistert: “Die Zusammenarbeit aller Partner war außergewöhnlich und entscheidend für den Erfolg des Projekts. Wir freuen uns, dass wir die Energie aus Abwasser Anlage in Tulln erfolgreich ausführen konnten und so einen wichtigen Beitrag zur CO₂-Reduktion leisten. Dieses Projekt zeigt, wie nachhaltige Energielösungen vor Ort erfolgreich und gemeinsam umgesetzt werden können. Herzlichen Dank auch an das Land NÖ und Energielandesrat Pernkopf, der schon früh das Potenzial von Abwasserenergie erkannte.“

 

Nachhaltige Zukunft dank Abwasserenergie
Die erfolgreiche Umsetzung mehrerer Leuchtturmprojekte in ganz Österreich überzeugen: Energie aus Abwasser ist keine Zukunftsvision, sondern bereits heute praxistauglich, wirtschaftlich und ein bedeutender Baustein für die Dekarbonisierung des Wärmesektors.

 

 

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